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[ tonband-backen_]
Vorweihnachtliches Tonband backen
oder: ...aufgeschrieben von Stephan Schmidt, friends of green sonic Im Spätherbst 2003 wurden wir von den 6-Zylindern gebeten alte Livemitschnitte von mehreren analogen Magnetbändern auf CD zu kopieren. Das Ensemble beabsichtigte einige der Titel eventuell zu veröffentlichen und benötigte, mangels anderer Abhörmöglichkeiten, die Aufnahmen auf CD. Gesagt, getan: Band für Band wurden die Mitschnitte kopiert. Als jedoch die beiden wichtigsten Spulen mit den Stücken zur vorliegenden CD an die Reihe kamen, begann, wie es die 6-Zylinder später nannten, eine "äußerst spannende Geschichte". Denn urplötzlich, nach nur wenigen Banddrehungen, brach das Musiksignal völlig zusammen - der Bandabrieb hatte die Tonköpfe der Bandmaschine völlig verschmiert! Diagnose: Hydrolyse!! [ Hydrolyse - was ist das?_] Die Magnetschicht eines Tonbandes wird mittels eines Klebers mit dem Trägermaterial verbunden. Einige Hersteller verwendeten um das Jahr 1980 einen Kleber, der sich im Laufe der Zeit verändert und durch eine chemische Reaktion Wasser freisetzt. Diese Wasserbildung (Hydrolyse) löst die Klebeverbindung auf, das Band fängt an zu "schmieren". Genau an eine solche Charge waren die 6-Zylinder wohl geraten. Was also tun, um die wertvollen 6-Zylinder-Liveaufnahmen zu retten? Verfahren zur zeitlich begrenzten Wiederherstellung von Magnetbändern gibt es. Aber wer hatte die entsprechenden Gerätschaften und die nötige Erfahrung? Ein Spezialist musste gefunden werden. [ Das Rezept: 48 Std. Backen bei 58°C_] Die Recherchen führten zur Firma EMTEC Magnetics (früher BASF) in München. Herr Dipl.-Ing. Matthias Bechly erkannte den Notfall, bot sofort seine volle Unterstützung an und empfahl folgende Vorgehensweise: Um die entstandene Feuchtigkeit zurückzubilden, werden die Tonbänder bei einer Temperatur von exakt 58,0°C für 48 Stunden in einem Wärmeschrank gelagert. Nach Abkühlung und Reinigung der Bänder sowie eventueller Beseitigung von Kopiereffekten, muss sofort das Überspielen der Aufnahmen auf neue Tonträger erfolgen. Dies ist nötig, da der Hydrolyse-Prozess nach ca. 48 Stunden erneut einsetzt, das Bandmaterial also wieder unspielbar wird. Sorgfältig eingepackt und gut versichert ging die wertvolle Fracht per Eilkurier auf die Reise in den Münchener Backofen... Das "Backen" und die Nachbehandlung wurde von Herrn Bechly so eingeplant, dass nur maximal 24 Stunden zwischen dem Fertigstellen der Bänder in München und dem Überspielen bei uns lagen. Auf diese Weise konnte die bestmögliche Tonqualität vor dem Wiedereinsetzen der Hydrolyse erreicht werden. So kam es, dass Herr Bechly an einem Freitag gegen 10.00 Uhr die erfolgreiche Behandlung sowie den Versand der Bänder meldete und wir bereits am Samstag um 7.50 Uhr mit der Überspielung der Unikate beginnen konnten. Der Ausgang der Geschichte? Hören Sie doch einfach mal in die CD rein, wir wünschen Ihnen viel Vergnügen mit dem Ergebnis dieses "spannenden, vorweihnachtlichen Tonbandbackens".... Die 6-Zylinder und friends of green sonic bedanken sich sehr herzlich bei Herrn Dipl.-Ing. Matthias Bechly für die freundliche Unterstützung sowie sein großartiges Engagement, welches die Rettung der wertvollen Liveaufnahmen und die Erstellung dieser CD erst möglich gemacht haben. |
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