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[ interview mit tilo_]

geführt von Andrea Lüngen

Tilo, wann zeigte sich dein Talent zur Musik oder der Hang zur Komik zum ersten Mal?

 
 

Mein Hang zur Komik zeigte sich angeblich schon sehr früh. Das kam daher, dass in der Gaststätte meiner Eltern immer viel los war und es eine Menge komischer Leute gab. Dort habe ich mich inspirieren lassen.
Die Musik hat mich dann zum ersten Mal mit ca. neun Jahren beschäftigt, damals sollte und wollte ich in der Jugendmusikschule Geige lernen.

Warum gerade Geige? Spielst Du noch andere Instrumente?

Mein damaliger Musiklehrer hat mir einen Zettel für meine Eltern mitgegeben auf dem stand: Das Kind Tilo ist besonders geeignet, um Geige zu lernen! Ich war sehr stolz, doch später habe ich herausgefunden: Jedes Kind hatte einen solchen Zettel bekommen, und der Musiklehrer war selber Leiter der städtischen Musikschule.

 
 
    „Ich wollte
    natürlich ein großer
    Gitarrenstar
    werden.”

Ich habe dann meine Eltern zum Kauf einer Geige überredet, aber schon bald (nach ca. einem Jahr) die Lust verloren. Ohne das Wissen meiner Eltern habe ich mich dann zum Gitarrenkurs angemeldet. Das wurde dann meine Leidenschaft!

Gab es erste Auftritte in den Kindertagen?

Auf dem Fittkefest in Holsen (Fest des Geflügelzuchtvereins). Auf unserem Dorf waren Vereine ganz wichtig, wie z.B. auch die freiwillige Feuerwehr. Das Fittkefest war ein großes Herbstfest mit Autoscooter und ein bisschen Kirmes. Montags abends war dann Schülerfest. Ich habe zwei Stücke gespielt.

Weißt Du noch welche?

Ja, Albatross von Fleetwood Mac und ein Rock'n Roll-Stück. Das war schon eine große Sache. Der gemeine Holser hat dazu gemeint: Aus dem Tilo, da wird mal was!

Warum hast Du später Musik studiert?

Ich wollte natürlich ein großer Gitarrenstar werden. Ich habe mich eigentlich erst umorientiert, als das mit 6-Zylinder professioneller wurde.

Warst Du auch Mitglied anderer Musikbands?

 
 

Ich hatte eine Rock-Jazz-Band zu Schulzeiten, die hieß Pitch Pending. Unser größter Auftritt war beim Muckumer Musikfestival. Außerdem gab es ein Gitarrenduo zu Studienzeiten mit Christian Kiefer zusammen, der auch heute noch sehr aktiv ist. Im allgemeinen kann man sagen: Das Niveau war damals umgekehrt proportional zum Erfolg! Bei 6-Zylinder war der Erfolg sofort entsprechend, wir haben nach den ersten Auftritten mehr oder weniger überrascht gesehen: Oh, es läuft und wir haben viele Auftritte in Aussicht - wir sind erfolgreich mit dem, was wir machen! Damals war A-cappella-Musik eine richtige Marktlücke. Es war etwas völlig Neues!

Wann hast Du angefangen zu singen?

Während der Schulzeit habe ich im Schulchor gesungen und im Orchester gespielt. Später war ich dann im Kammerchor der Hochschule. Dort haben sich auch 6-Zylinder kennengelernt. Erst waren wir zu dritt: Jürgen Spieker, Jürgen Janotta und ich. Dann haben wir Henrik gefragt, dann Wendelin. Thomas wurde irgendwann vorm Bäcker angesprochen, ob er Alt singen könne. Er wusste es nicht, wollte es aber probieren. Wendelin wurde nach dem Studium Pfarrer und schied zwangsläufig aus. Stattdessen haben wir Nici gefunden.
In dieser Besetzung gab es sogar ein spektakuläres Straßenmusikkonzert auf dem Münsteraner Prinzipalmarkt. Wir haben vorm Stuhlmacher (traditionelles Münsteraner Restaurant) gesungen und dabei den ganzen Verkehr aufgehalten. Vor lauter Zuhörern kamen die Busse nicht mehr vorbei. Wir haben ca. eine 3/4 Stunde gesungent und den legendären Lohn von 90,- DM eingeheimst.

Wo war Deiner Meinung nach Euer bisher schönster Auftritt und warum?

Vor allem die Auftritte in Israel waren bemerkenswert. Erstens war es natürlich schön, in diesem interessanten Land zu sein und zweitens war die Resonanz der Konzerte super. Beim Vokalisa-Festival sind wir in der sogenannten Karawanserei aufgetreten in einem riesigen Innenhof. Ein super Festival! In Deutschland sind Konzerte toll, die von der Atmosphäre oder eben vom Ambiente herausragend sind, z.B. in der Tonhalle Düsseldorf. Aber auch „open airs” haben oft eine besonders gute Stimmung (z.B. das Museumsuferfest oder das Summertime-Festival in Frankfurt).

Gibt es bei Dir und den anderen bestimmte Rituale vor einem Auftritt, Maskottchen o.ä.?

Nein, eigentlich nicht. Ich prüfe höchstens noch mal meinen Stimmkeks (Anmerkung der Redaktion: Dies ist eine Art Mundharmonika, mit der Tilo auf der Bühne den Ton angibt), sonst gibt's keine Rituale. Wenn es mal ganz spannend ist für uns, dann treffen wir uns vor dem Auftritt noch mal in einem Kreis (wie beim Football).

Hast Du ein momentanes persönliches Lieblingslied?

Ja, Roberto Blanco.

Welche Musik hörst Du privat?

Ich höre privat nicht viel Musik, weil ich mich beruflich schon viel mit Musik befasse. Ich habe eine Plattensammlung aus den 70ern, in die ich jetzt wieder häufiger 'reinhöre. Dabei ist reichlich ECM-Musik, z.B. Chick Corea (Jazz-Rock) oder Jan Garbarek (Saxophonist). Momentan höre ich auch gerne poppige Sachen und ein bisschen Klassik.

Und Deine Lieblingsfernsehsendung?

Ganz klar: ER (Emergency Room).

Magst Du uns eine Jugendsünde gestehen?

(Längeres Schweigen) Also, ich könnte jetzt natürlich irgendwelche Frauennamen nennen oder von drei Haschischkeksen erzählen. Das ist aber eher uninteressant. Ach ja, und da war auch noch der Kunstledersessel meines Vaters und die Sache mit der Rasierklinge, das war wirklich schwachsinnig, aber sonst ...

Was war die wohl beste Entscheidung Deines bisherigen Lebens?

Tja, das weiß man wohl eigentlich erst hinterher, nach dem Leben. Soweit bin ich hoffentlich noch nicht. Ein sehr guter Entschluss war sicherlich, dass ich mich in jungen Jahren auf eigene Faust zum Gitarrenkurs angemeldet habe!

 

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