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[ interview mit jos_]geführt von Andrea Lüngen Besonderheiten der Kindheit und Jugend?Als Kind wechselte ich unfreiwillig die Nationalität. Ich wurde als Holländer geboren, weil meine Eltern im zu der Zeit holländischen Elten lebten. Der ursprünglich deutsche Ort wurde nach dem 2. Weltkrieg nämlich von den Holländern als Ersatz für Reparationszahlungen annektiert. Meine Eltern hatten eine Metzgerei und mussten dann natürlich auch die holländische Staatsbürgerschaft annehmen.
Nach ungefähr sieben Jahren wurde Elten wieder eingedeutscht. Das zog einige prägnante Änderungen nach sich, z.B. gab es nun deutsche Verkehrsschilder und deutsche Polizisten, die viel strenger waren. Uns Kindern gefiel das wenig. Jetzt durften wir auf einmal mit dem Fahrrad nicht mehr nebeneinander auf der Straße fahren. Zur holländischen Zeit ging es in Elten liberaler zu. Welchen Beruf solltest/wolltest du erlernen?Von meinen Eltern her gab es da keine Vorgaben. Ich selbst wollte eigentlich Grundschullehrer (Schwerpunkt Musik und Sprache) werden und gab Gitarrenunterricht an einer Gesamtschule in Münster. Während des Studiums wurde mir aber schnell klar, dass ich eigentlich viel lieber selbst Musik machen wollte. Auslandsaufenthalte?Drei Jahre holländischer Kindergarten!
Die Musik
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In der Laienspielgruppe, die meine Schwester leitete, habe ich als Vierjähriger mal einen besoffenen Matrosen gespielt. Das war ein Riesenerfolg und ich wurde jahrelang darauf angesprochen.
Die Möglichkeiten, in einem so kleinen Dorf wie Elten ein Instrument zu erlernen, waren nicht besonders groß. Das Gitarrespielen habe ich mir weitgehend selbst beigebracht. Gespielt habe ich eigentlich alles von Bob Dylan, den Birds, Simon & Garfunkel und anderen Bands, deren Stücke ich mir aus dem Radio oder von Platten abgehört habe. Lieder wie "Bye bye my American Pie" oder "Vincent" von Don McLean habe ich immer gerne zum Besten gegeben, damit hatte ich großen Erfolg bei den Mädels aus dem Dorf.
Meine eigentliche Spezialität ist also das Singen mit eigener Gitarrenbegleitung. Das mache ich jetzt auch noch im stillen Kämmerlein. Früher habe ich mich an vielen Stücken versucht, die ich erst heute richtig spielen kann. Die Musik ist ein ewiger Lernprozess. Man muss immer am Ball bleiben. Oft gibt es kreative Schübe, sozusagen musikalische Quantensprünge. Als Musiker ist man mit sich selbst aber selten zufrieden, man denkt immer: Das kannst du noch besser!
"Das Talent ist nichts Leichtes. Es ist nichts Tändelndes. Es ist nicht ohne weiteres ein Können. In der Wurzel ist es ein Bedürfnis. Ein kritisches Wissen um das Ideal. Eine Ungenügsamkeit, die sich ihr Können nicht ohne Qual erst schafft und steigert." (Goethe)
Mit 16/17 Jahren habe ich mit ein paar Freunden meine erste Band gegründet. Der Name fand sich schnell nach einem Blick auf eine Landkarte, die im Partykeller an der Wand hing. Als Lateinfreunden fiel uns sofort "Terra" ein, später haben wir dann festgestellt, dass alle möglichen Firmen so heißen.
Unsere Musik war sehr gesangslastig, vornehmlich im Folk-Rock-Stil. Dabei haben wir uns an Crosby, Stills, Nash and Young und dem Westcoast-Stil (Allman-Brothers) orientiert.
Wie das damals so war, war alles total frei von irgendwelchen Konventionen. Allerdings gab es nie irgendwelche Drogenexperimente, ich war immer strikter Gegner von Drogen. Ich habe viel zu viele Freunde gesehen, die später in die Szene abgetaucht sind und die heute nicht mehr leben. Wunderbare Menschen, die zu naiv waren, um zu sehen, wohin das führt.
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Eigentlich hatte ich nie die Zielsetzung, mit Gesang meinen Unterhalt zu verdienen, aber immer schon ein starkes Bedürfnis zu singen. Ich habe eine Zeitlang in einem Chor Gitarre gespielt, und auf dem Gymnasium und während des Studiums im Chor gesungen. Als Sextaner wurde ich vor der Schulchoraufnahme geprüft. Da ich Fahrschüler war und nach dem Chorunterricht ziemlich lange auf den Schulbus hätte warten müssen, riet mein Bruder mir, ich sollte so schräg wie möglich singen. Das war dann wohl aber immer noch gut genug für den Knabenchor und ich wurde trotzdem aufgenommen. Ich habe das allerdings nie bereut. Es waren sehr schöne erste musikalische Erfahrungen, auch weil der Chorleiter menschlich schwer in Ordnung war. Die Chorproben waren mit die schönsten Stunden meiner Gymnasialzeit.
Ab und zu mache ich mit meiner Frau zusammen Musik, sie spielt auch Gitarre und kann super singen. Wir passen stimmlich sehr gut zusammen und haben schon Hochzeiten von Freunden musikalisch gestaltet. Wenn ich in hohen Lagen singe, kann man unsere Stimmen manchmal kaum auseinander halten.
Am schönsten fand ich das Frankfurter Museumsuferfest, als wir spontan von einer kleineren Bühne auf die Hauptbühne vom Tigerpalast (Varietétheater) eingeladen wurden. Da haben wir vor vielen Tausend Menschen gesungen. Eine tolle Atmosphäre! Obwohl dort so viele Zuschauer waren, hatte ich das Gefühl, dass wir Kontakt zu jedem Einzelnen aufnehmen konnten. Die Begeisterung auf diesem Konzert war riesengroß. Das war für uns ein Highlight! Wir sind dadurch im Frankfurter Raum sehr bekannt geworden.
Es gab aber auch andere sehr schöne Konzerte, auch ganz kleine, wie z.B. neulich in Butzweiler bei Trier, wo uns die Herzen der Menschen sofort zuflogen. Es war da eine Begeisterung zu spüren, die uns selbst mitgerissen hat. Die Schalke-Arena im Mikrokosmos sozusagen!
Ich mache höchstens ein bisschen Gymnastik vorher (z.B. Liegestütze, Körperspannungsübungen).
"Buona sera Signorina" und "Bel Ami".
"Secrets of Love", "Ride like the wind", "All shook up","Bel Ami", "Shoop shoop song", "Everybody gets a second chance", "Run around Sue".
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Na, vielleicht die Fähigkeit, viele verschiedene Dialekte zu imitieren. Ich habe die Angewohnheit, je nachdem in welcher Region wir sind, schlagartig meine Aussprache zu ändern. Das muss ein klimatisches Phänomen sein. Wenn wir z.B. die österreichische Grenze überschreiten, fange ich direkt an, wie Niki Lauda zu sprechen. Das macht mir einfach Spaß! Einige Dialekte sind mir aber ziemlich fremd z.B. Schwäbisch. Einmal habe ich eine Bedienung in einer Bäckerei einfach nicht verstanden.
Alles Mögliche, vor allem viel Pop und ein bisschen Jazz, keine Klassik.
Vielleicht "Wer wird Millionär?"
Im Unterschied zu den Kollegen liebe ich den Rheinischen Karneval und Humor. Nachdem wir mal gemeinsam bei der Kölner Stunksitzung waren, können sie mich inzwischen ein bisschen besser verstehen.
Eigentlich war ich ganz lieb. Habe höchstens mal einen alten Keller zum Partykeller umgestaltet im Stile der 70er Jahre. Ich fand das damals ganz toll, heute würde ich wahrscheinlich die Hände überm Kopf zusammenschlagen.
Mich bei 6-Zylinder zu bewerben.
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
Und haben sich, eh man es denkt, gefunden.
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen. (Goethe)