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Die 6-Zylinder - Ein Grußwort

Als wäre es gestern gewesen: „Guten Morgen aus Münster” hieß die Sendung, wurde in den 80ern vom Landesstudio Münster des WDR in das Sendegebiet hinausgeäthert und lief von sechs bis neun Uhr in der Früh.

Alle Bands aus Münster und Umgebung wünschten sich nichts sehnlicher, als an dieser Sendung teilnehmen zu dürfen, versprach doch der Live-Auftritt im Hörfunk einen rasanten Zuwachs an Popularität und eine verheißungsvolle Empfehlung an Publikum und hoffentlich zuhörende Veranstalter.

Das alles war natürlich Unfug. Niemals hörte irgendein Veranstalter diese heillose Mischung aus spritzigen Lokalnachrichten und selbstzerstörerischem Geschrammel münsterschen Musiknachwuchses, und das eher bejahrte Publikum dieses Programms schätzte studentischen Münster-Pop auch nur in homöopathischen Dosen. Aber immerhin: Stand im Bandinfo „Auftritte beim WDR”, klang das schon fast wie „Topact beim Rockpalast”.

„Guten Morgen aus Münster” sollte diesmal, es muß ein lausiger Herbstmorgen 1985 gewesen sein, aus dem Hauptbahnhof Münster kommen, einer an sich schon deprimierenden Umgebung. Dazu noch die für eine Rock-'n'-Roll-Band (ich rede von meiner damaligen Gruppe) alles andere als angenehme Uhrzeit... gräßlich. Ein Teil meiner Band hatte es vorgezogen, am Vorabend erst gar nicht zu Bett zu gehen und erschien zum frühmorgendlichen Soundcheck um fünf (!!!) mit Augen, die selbst auf Schwarz-Weiß-Photos noch rot gewesen wären. Mit uns spielte im selben Programm Oncel Dagogo, eine abends meist recht muntere Ska-Truppe, der es um diese unchristlich frühe Zeit auch nicht viel besser ging als uns.

Gerade als wir, mit unserem Auftritt einigermaßen holperig zu Rande gekommen, unsere Instrumente eingepackt hatten und uns fragten, ob wir uns nun mit diesem sogenannten Rundfunkauftritt wirklich genutzt, oder eher nachhaltig geschadet hatten, erschienen federnden Schritts sechs alerte junge Männer mit wachen Gesichtern, guten Manieren und schalkhaft zwinkernden Augen, behaupteten, sie seien die 6-Zylinder, plazierten sich hinter die Mikrophone und machten aus uns, die wir uns für die Speerspitze der Musikwelt hielten, eine Rotte nichtswürdiger Würstchen. Zu einer Uhrzeit, die unsereinem schon das Reden fast unmöglich machte, konnten diese Männer singen - und zwar richtig singen!

Die Musikalität und der Humor der Gruppe, ihre Professionalität und der herzerwärmende Anblick ihrer Kameraderie erfüllten mich mit Bewunderung - Quatsch: machten mich neidisch. So wollte ich auch sein. Eine solche Gruppe hätte ich auch gerne um mich versammelt. Hier wurde die Musik ernst genommen und dennoch hatte keiner ein Problem damit, gleichzeitig den Clown zu geben. Wahnsinn!

Wie sollte man diese Kollegen ansprechen? Wie sich ihnen halbwegs würdevoll nähern und ihnen gleichzeitig vermitteln, daß man selbst auch etwas zu bieten hatte? Wie seinen Respekt ausdrücken und gleichzeitig die anderen beeindrucken? Schwierig!

Ich wählte die typische Armleuchtermethode: „Äh, hallo! Braucht ihr Arrangements? So was wie die Four Freshmen? Das müßte euch doch interessieren!” Die Sechs reagierten mit jenem typischen Blick zum Himmel, der mir nur allzu bekannt war und der besagen sollte „Hilfe - der Alsmann... womit haben wir das verdient...”.

Weder habe ich damals ein Arrangement für die 6-Zylinder geschrieben, noch hätten sie je eines von mir gebraucht. Ja - ich gehe noch einen Schritt weiter: Wären die Sechs damals auf mein Angebot eingegangen, würden wir jetzt nicht ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern, sondern uns lediglich schemenhaft an diese Dings... diese A-cappella-Gruppe erinnern, die damals ein größenwahnsinniger Fatzke, dieser Jörg oder Gerd Altmann oder so ähnlich, mit seinem Geschreibsel zugrunde gerichtet hat.

Gut, daß alles ganz anders gekommen ist.

6-Zylinder - ich liebe euch und würde euch heiraten. Aber ich bin ja schon verheiratet.

Chapeau!

Götz Alsmann

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